Fotos: Erwin Kirsch und Atelier Ehmann

 

„Der Vitus gehört in die Kirche und nicht vor das Rathaus“

 

Und wie er dennoch zum Rathausplatz kam ...

 

Jetzt kommt er zu besonderen Ehren, unser Namensgeber und Pfarrpatron. Diese Ehre erweist ihm der Künstler Ralf Ehmann, aber auch die Damen und Herren Ratsmitglieder, die einen Bezug zur Stadt bei der Ausschreibung zum Kunstwettbewerb in die Bedingungen niederschrieben.

 

 

Endspurt bei den Bauarbeiten zur Erneuerung des Rathausplatzes. Am 8. Juli 2018 ist es soweit. Der neugestaltete Platz wird offiziell eröffnet, wenn auf der Baustelle sicherlich noch bis zum Vortag ordentlich geschafft werden wird. Ende eines langen und kräftezehrenden Projektes in Sicht.

Somit bekommt Bürgermeister Krings, sein Kollegium und seine ausscheidende FBL-Fraktion ein in den letzten Jahren und Monaten vielseitig diskutiertes Großprojekt noch rechtzeitig vor dem kommunalen Urnengang im Oktober in trockene Tücher.

Aus aktuellem Anlass wollen wir uns etwas näher mit dem Kunstobjekt beschäftigen. Der Autor selbst war Mitglied der Fachjury und hatte folglich Einblick in die empfindliche Thematik.

 

„Der Vitus gehört in die Kirche und nicht vor das Rathaus“

 

Es waren die Vorgaben der Stadtverantwortlichen die in der Leistungsbeschreibung für den Kunstwettbewerb für jeden Teilnehmer bindend waren und bei der Bewertung der eingereichten Arbeiten für die Jury ein wichtiges Auswahlkriterium.

Wörtlich hieß es in den städtischen Vorgaben: „Inhaltlich und gestalterisch ist das zu verwirklichende Kunstobjekt der Kreativität des Künstlers weitgehend überlassen.

Allerdings sollte der Künstler einen Bezug zur Gemeinde bzw. Stadt Sankt Vith finden.“

 

Im Herbst 2016 wurden annähernd vierzig Wettbewerbsvorschläge eingereicht, die von der Fachjury nach den Vorgaben des Lastenheftes bewertet wurden.

Neun Kandidaten kamen in die engere Wahl und wurden zu einem Kolloquium eingeladen. Diese Informationsversammlung fand reges Interesse und läutete den Endspurt für die restlich verbleibenden Teilnehmer ein. Am 24. April 2016 tagten sieben Preisrichter und bewerteten den Entwurf von Ralf Ehmann (bis dahin für die Jury ein anonymer Teilnehmer) als Sieger.

 

Preisgerichtsvorsitzender Gerhard Freising/Trier notierte in seiner Würdigung gelegentlich der Preisverleihung im Rathaus:

„Thematisch war seitens der Stadt Sankt Vith u.a. vorgegeben, dass sich die Skulptur auf den geschichtlich-kulturellen Werdegang der Stadt Sankt Vith beziehen sollte. Ihr Entwurfsvorschlag hat die in der Wettbewerbsauslobung genannten Vorgaben und Kriterien aufgenommen und überzeugend umgesetzt.

Die von Ihnen vorgeschlagene Skulptur aus belgischem Granit beinhaltet zwei Ideen:

Zum einen sind es Spuren der Vergangenheit die aufgezeigt werden - es ist die besondere Vergangenheit der Stadt Sankt Vith. Dies wird verdeutlicht durch die Darstellung des Sankt Vitus mit einem Palmenzweig und der Darstellung eines Löwens. Diese Darstellungen beziehen sich auf den Namenspatron von Sankt Vith und durch den romanischen Löwen auf die Gründungszeit und auf das Wappen der Stadt. ... Neben der herausragenden künstlerischen Qualität Ihrer Arbeit ist auch die Einbindung in den Ort zur Steigerung der Attraktivität des Platzes hervorzuheben.

Beeindruckend ist die Souveränität, die Ausdruckskraft und das technische Können, die Sie durch Ihren Entwurfsvorschlag plastisch zum Ausdruck bringen.“

 

Die Diskussion um diesen Vitus, der für einige St.Vither in die Kirche und nicht auf den Rathausplatz gehört, verstummte allmählich. Auch hatte der Künstler seine Bereitschaft erklärt dem Vitus (anders wie auf einem ersten Grobentwurf zu erkennen) ein jugendlicheres Aussehen zu verleihen. Die hier gezeigte Nahaufnahme (Bild mit Künstler) verdeutlicht augenscheinlich diese Vorgabe. Auch hatte sich der Tübinger Künstler bereiterklärt auf Empfehlung der Jury in den Pfeiler vier Bezüge zur Stadt einzuarbeiten: Dän Alen, de Al on de Peijas mit Bezug zum Karneval, der zerstörte Büchelturm als Symbol der zerstörten Stadt, Früchte, Hut, Vieh, Bezug zur Bedeutung der Stadt als Marktflecken, Stadtansicht als Zeichen der wieder errichteten Stadt nach Weihnachten 1944.

 

 

Von Nebenschauplatz zum Mittelpunkt

 

Die Stadtverantwortlichen hatten das Kunstobjekt zusammen mit den Platzplanern aus Salmchâteau ursprünglich neben einem Wasserbecken mit Stadtwappen geplant.

Dieses appartementhaus-große Becken mit Stadtwappen erschien einigen St.Vithern viel zu groß, zu teuer und gestalterisch ziemlich wertlos. Zwei St.Vither (Architekt Albert Sonkes und Grafiker Erwin Kirsch) hatten sich vehement mit vielen Einwänden (auch in der Presse) dagegen gewehrt ... offensichtlich mit Erfolg. Als das 2,5 Tonnen schwere Kunstobjekt aus belgischem Granit den Damen und Herren im Rathaus wegen der unzureichenden Nutzlast auf dem ausgesuchten Standort mit darunterliegender Tiefgarage statisch zu schaffen machte, schlugen beide vor, das Wasserbecken wesentlich zu verkleinern und genau an dem Ort das Kunstobjekt in eine rundeingefasste Wasserfläche zu platzieren. Mit dem Einverständnis des Künstlers reifte die Idee und findet heute allgemeine Zustimmung. Das Kunstobjekt als Randerscheinung wird nun zum Mittelpunkt des neugestalteten Platzes. Eine große halbkreisförmige hölzerne Sitzfläche (hergestellt in den Eifelwerkstätten für Behinderte in Gerolstein) soll nun zum Verweilen einladen.

 

 

Fazit

 

In heutigen Tagen vieldiskutierter Wertevorstellungen steht es unserer Stadt nicht schlecht, sich zu christlichen Werten zu bekennen. Schließlich hat das Christentum seit Jahrhunderten unsere westliche Kultur geprägt. Man muss nicht sonntäglicher Kirchgänger sein, um diese Entwicklung zu bestätigen.

 

Dass der Vitus nun auf dem Rathausplatz einen Ehrenplatz erhält, will nicht heißen, dass er in seiner Pfarrkirche wertlos wird. Die Verbindung Kirche und Welt wird auf diese Weise veranschaulicht. Zum Tragen kommt eine Verbindung, die hoffentlich auch unserer Jugend einige wertvolle Gedanken mit auf den Weg in die Zukunft unserer Stadt gibt.

Auch die vier dargestellten Motive sollen helfen die Geschichte unserer Stadt mit einigen Ideen wachzuhalten, an Zerstörung, Aufbau, Kultur und Tradition erinnern.

 

In St.Vith (wie an vielen Pilgerorten) ist die Vitusverehrung eine Symbiose mit dem lokalen Handel eingegangen, denn Pilgerschaft und Kommerz waren sich stets gegenseitig von Nutzen. Vitus auf dem Rathausplatz, dem mittelalterlichen St.Vither Marktplatz (dn ahle Maart) verdeutlicht dieses Zusammenspiel in hervorragender Weise.

 

An der Höhe 34

4780 ST.VITH

Belgien

 

Tel.: +32 (0)80 22 70 78

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