Heiliger Vitus

Namensgeber und Pfarrpatron

 

von Klaus-Dieter Klauser

 

Vitus (dt: Veit, frz.: Guy) ist der Schutzheilige der St.Vither Kirche. Und auch die Stadt trägt seinen Namen – was urkundlich seit 1131 belegt ist. Auch die hiesige Vitusverehrung hat wohl mittelalterliche Wurzeln. Mit dem Namensfest des Heiligen (15. Juni) ist alljährlich die Vitus-Oktav verbunden, eine einwöchige Gebetszeit, in der die Reliquien des Heiligen gezeigt werden. In früheren Zeiten zeigte sich die Vitusverehrung auch unter Form von Wallfahrten.

 

Um den St.Vither Stadtpatron Vitus und sein Martyrium ranken sich manche Legenden.

Demnach wurde Vitus in Mazara (Sizilien) geboren und starb als Märtyrer in jugendlichem Alter um 304 in Lukanien (Süditalien).

Seine Eltern überließen der Amme Crescentina und dessen Mann Modestus die Erziehung ihres Sohnes, der im christlichen Glauben unterrichtet wurde. Selbst einige Wunder, die der junge Vitus der Legende nach wirkte, retteten ihn nicht vor der Christenverfolgung und nachfolgendem Martyrium unter Kaiser Diokletian. So warf man Vitus und seine Gefährten u.a. in siedendes Öl, hetzte einen wilden Löwen auf sie, ließ sie foltern – doch ohne dass sie Schaden erlitten hätten. Vitus bat den Christus, den Herrn daraufhin, ihn und seine Gefährten zu sich zu nehmen. Sein Gebet wurde erhört. Nachdem Adler die Leiber der Toten mehrere Tage bewacht hatten, bestattete eine fromme Witwe sie am Ufer des Flusses Sele in Kampanien.

 

Als einer der 14 Nothelfer wird Vitus u.a. gegen Nervenleiden (Veitstanz, Epilepsie), psychische Krankheiten, Bettnässen, Krämpfe und Tollwut angerufen; er gilt als Schutzpatron der Jugend, der Hör- und Sprachgeschädigten, der Winzer, der Bierbrauer und Schauspieler, ebenso als Patron Sachsens, Böhmens und Siziliens.

 

Die Vitusverehrung findet sich in ganz Europa, von Süditalien bis Norddeutschland und von Frankreich bis zu den slawischen Völkern im Osten. Als Orte besonderer Vitusverehrung sind Prag, Corvey und Mönchengladbach bekannt; aber auch in Bayern und Österreich sind ihm zahlreiche Kirchen geweiht. Ähnlich wie in St.Vith sind europaweit manche Orte nach ihm benannt (St.Veit, Veitsburg, Veitsweiler, San Vito usw.).

 

Über den Zeitpunkt der Heiligsprechung von Vitus ist historisch nichts verbürgt; jedoch deutet allein schon die Aufnahme in die Reihe der Vierzehn Nothelfer auf eine Erhebung zum Heiligen noch im vierten Jahrhundert. Auch ist seine Verehrung schon früh in der französischen Fassung des „Martyrologium des Hieronymus“ belegt, dessen Ursprung nachweislich um das Jahr 430 in Oberitalien zurückgeht. Seine legendarische Leidensgeschichte jedenfalls entstand im späten sechsten Jahrhundert in Lukanien, einer historischen Landschaft in Süditalien.

 

Der praktizierte Volksglaube hat Vitus europaweit zu einem populären Heiligen ernannt. Sein Vorname war noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts in St.Vith recht geläufig. Hierzulande recht häufige Familiennamen wie Veiders, Veithen, Vegders, .. deuten auf seine Beliebtheit hin. In St.Vith (wie an vielen Pilgerorten) ist die Vitusverehrung eine Symbiose mit dem lokalen Handel eingegangen, denn Pilgerschaft und Kommerz waren sich stets gegenseitig von Nutzen. Vitus auf dem Rathausplatz, dem mittelalterlichen St.Vither Marktplatz (dn ahle Maart) verdeutlicht dieses Zusammenspiel in hervorragender Weise.

 

Klaus-Dieter Klauser ist langjähriger Vorsitzender und Ehrenpräsident des ZVS - Kgl. Geschichts- und Museumsvereins ZWISCHEN VENN UND SCHNEIFEL.

 

Juli 2018

 

 

 

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